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Polis Convention: Unser Recap zum Panel „Auf die Strasse, fertig, los!“

Wulf Kramer

veröffentlicht am 13. Mai 2026

5 Minuten Lesezeit

Wie Strassenräume zu lebendigen Orten der Begegnung werden können

Klar ist: Straßen sind weit mehr als Verkehrsflächen. Sie sind soziale Räume, Treffpunkte, Bewegungsorte und ein zentraler Bestandteil lebenswerter Quartiere. Trotzdem dominiert vielerorts noch immer das Auto die Gestaltung unserer Städte. Das Panel zeigte eindrucksvoll, welche Chancen entstehen, wenn wir Straßenräume wieder stärker am Menschen orientieren.

Straßen als soziale Infrastruktur

Harald Schuster von futurkomm machte in seinem Vortrag „Social Streets – die nachbarschaftliche Strasse als dritter Ort“ deutlich, wie wichtig alltägliche Begegnungen für den sozialen Zusammenhalt sind. Viele soziale Kontakte entstehen nicht in organisierten Formaten, sondern beiläufig – beim Gehen, Warten oder kurzen Gesprächen im Quartier.

Gerade diese kleinen Interaktionen stärken Vertrauen, Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Gleichzeitig nehmen solche Begegnungen vielerorts ab: Einkaufslieferungen ersetzen den Weg zum Laden, Treffpunkte verschwinden und öffentliche Räume werden zunehmend funktional statt sozial gedacht.

Der Ansatz von Social Streets setzt genau hier an. Straßenräume sollen so gestaltet werden, dass Bewegung, Aufenthalt und Begegnung erleichtert werden – inklusiv, barrierearm und zugänglich für unterschiedliche Nutzergruppen. Besonders spannend war die Frage, wie sich sogenannte „Kontaktdichte“ bewusst gestalten lässt: Wie können Räume entstehen, die Begegnungen ermöglichen, ohne sie zu erzwingen?

Testen statt streiten

Dennis Jaquet von der Planersocietät zeigte, wie wichtig Experimente und temporäre Maßnahmen für die Mobilitätswende sind. Veränderungen im Straßenraum lösen häufig Unsicherheiten oder Widerstände aus. Gerade deshalb seien Reallabore, Testphasen und temporäre Umgestaltungen so wertvoll: Sie machen neue Nutzungen sichtbar und direkt erlebbar.

Am Beispiel des Reallabors Walldorf wurde deutlich, wie der Perspektivwechsel vom reinen Verkehrsraum hin zum Stadtraum gelingen kann. Grundlage war ein gesamtstädtisches Fußverkehrskonzept, das nicht nur Mobilität, sondern auch Aufenthaltsqualität und die Innenstadtentwicklung mitgedacht hat.

Besonders entscheidend: die systematische Beteiligung lokaler Akteurinnen und Akteure – vor allem des Gewerbes. Dadurch entstand breite Zustimmung, die wiederum politische Entscheidungen und dauerhafte Umsetzungen erleichterte.

Auch der Umgang mit Gegenwind wurde offen diskutiert. Veränderungen im öffentlichen Raum erzeugen oft laute Debatten. Die Erfahrung vieler Projekte zeigt jedoch: Akzeptanz wächst häufig erst während oder nach der Umsetzung. Wichtig ist deshalb, unterschiedliche Stimmen sichtbar zu machen, konstruktiv zuzuhören – und gleichzeitig langfristige Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Beteiligung bedeutet Mitgestaltung

Wie Beteiligung tatsächlich aktivierend wirken kann, zeigte Kristina Gergert von der Planungsagentur endboss ziegte anhand des Projektes Stadtlabor Wittenberge. Dort wurden leerstehende Gebäude, Asphaltflächen und abgesperrte Bereiche gemeinsam mit der Stadtgesellschaft neu genutzt und aktiviert.

Das Besondere dabei: Beteiligung blieb nicht bei Workshops oder Ideenwänden stehen. Menschen konnten direkt umsetzen, gestalten und Verantwortung übernehmen. Unterstützt wurde dies unter anderem durch das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“.

Vor allem junge Menschen wurden aktiv eingebunden. Schülerinnen und Schüler konnten eigene Ideen entwickeln und entscheiden, welche Projekte umgesetzt werden. Insgesamt entstanden so 21 konkrete Projekte.

Die Erfahrung aus Wittenberge zeigt eindrucksvoll: Wenn Beteiligung und Umsetzung zusammenfallen, entstehen nachhaltige Prozesse. Nicht durch Druck „von oben“, sondern durch echte Selbstermächtigung und gemeinsames Handeln.

Straßenräume positiv erlebbar machen

Sven Brückner von go.Rheinland stellte das Projekt „Stadt-Terrassen“ vor. Ziel ist es, nachhaltige und klimaneutrale Mobilität über positive Erfahrungen im öffentlichen Raum erlebbar zu machen.

Kommunen können dabei temporäre Möblierungen und Ausstattung ausleihen, um Veränderungen schnell und unkompliziert zu testen. So entstehen sichtbare Experimente, die Diskussionen anstoßen und neue Möglichkeiten aufzeigen.

Besonders wichtig seien dabei drei Punkte:

  • Ziele und Visionen frühzeitig und verständlich kommunizieren
  • Den Einzelhandel persönlich und direkt einbinden
  • Präsenz der Verwaltung vor Ort zeigen

Die Erfahrungen aus zahlreichen Projekten zeigen: Wiederholung schafft Sicherheit. Je häufiger Städte experimentieren, desto größer werden Vertrauen, Lernkurven und Akzeptanz.

Auch Visualisierungen spielen eine wichtige Rolle. Variantenvergleiche helfen dabei, zukünftige Straßenräume greifbar zu machen und Diskussionen zu versachlichen.

Was wir aus dem Panel mitnehmen

Das Panel hat gezeigt, dass die Transformation unserer Straßenräume weit mehr ist als eine Verkehrsfrage. Es geht um soziale Teilhabe, Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und das Zusammenleben in unseren Quartieren.

Vier zentrale Erkenntnisse bleiben besonders hängen:

  • Straßenräume sind soziale Infrastruktur
    Alltägliche Begegnungen stärken Vertrauen, Gemeinschaft und Nachbarschaft.
  • Testen schafft Akzeptanz
    Temporäre Maßnahmen und Reallabore helfen, Konflikte abzubauen und Veränderungen erfahrbar zu machen.
  • Beteiligung funktioniert am besten durch Mitgestaltung
    Menschen wollen nicht nur gefragt werden – sie wollen sichtbar mitgestalten und umsetzen können.
  • Gute Gestaltung ist inklusiv
    Barrierearme, bewegungsfreundliche und vielseitig nutzbare Straßenräume erhöhen die Aufenthaltsqualität für alle.

Für uns bei CITY DECKS® bestätigt sich damit einmal mehr: Die Zukunft lebenswerter Städte beginnt direkt vor der Haustür – auf der Straße.

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